Richtig kommunizieren

Stellen Sie sich vor: Sie stehen kurz davor, das Geschäft Ihres Lebens zu machen und dann platzt der Deal, weil Sie nicht nur ins Fettnäpfchen getreten sind, sondern sich regelrecht darin gesuhlt haben. Aber seien Sie beruhigt: Peinliche Situationen lassen sich mit ein wenig Wissen und Übung ganz leicht vermeiden. An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen verschiedene Formulierungen und Begriffe über trans Menschen, die Sie unbedingt vermeiden sollten, und selbstverständlich die passenden Alternativen dazu.

Vergessen Sie dabei nicht: Ganz egal, wie souverän Sie sich ausdrücken können – klären Sie mit der trans Person in Ihrem Arbeitsumfeld immer vorher ab, ob, wann und bei wem Sie über ihr Coming-out, ihre trans Identität u.a. reden dürfen.


6 häufig benutzte Formulierungen über trans Menschen, …

… die zum Verständnis von Trans überhaupt nichts beitragen – und alternative Ausdrücke.

1 – Eine trans Frau ist eine Frau und ein trans Mann ist ein Mann

Formulierungen wie «Ein trans Mann ist eine Frau, die irgendwann im Leben merkt, dass sie als Mann leben will» oder «Die Arbeitskollegin Yvonne Müller, die seit 2007 als Mann lebt …» erwecken den Eindruck, die Person sei eigentlich das Geschlecht, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurde.

Alternativen:
«Ein trans Mann ist ein Mann, der bei seiner Geburt aufgrund äußerer Merkmale für ein Mädchen gehalten wurde.» / «Mein Arbeitskollege Balian Müller, der vor seiner Transition …»

2 – «War früher ein Mann / eine Frau»

Die Idee, dass trans Menschen früher ein anderes Geschlecht hatten, befördert den irreführenden Gedanken, dass «trans Menschen sind erst das eine und werden dann das andere». Trans Menschen würden selber nie von einer Verwandlung sprechen. Sie verwandeln sich nicht, sondern machen lediglich sichtbar, was sie schon vorher waren. Sie leben die Identität, die sie erst dazu gebracht hat, zu sagen: «Ich bin trans» (oder wie das jede_r für sich formulieren will).

Alternative:
«Meine Vorgesetzte lebte früher als Mann.» oder «Mein Mitarbeiter lebte früher als Frau.»

3 – Geschlechtsumwandlung

Eine Frau wird nicht durch eine OP zum Mann oder umgekehrt. Eine Person passt ihr Leben ihrer Geschlechtsidentität an. Manchmal gehören körperliche Angleichungsmaßnahmen dazu, manchmal nicht.

Alternative:
«Geschlechtsangleichung» oder «Geschlechtsanpassung»

4 – Transsexuelle

Menschen tun sich besonders schwer, auf diesen Begriff zu verzichten, da er sehr bekannt ist. Auch viele trans Menschen benutzen ihn deshalb für sich. Der Begriff hat aber drei große Probleme: Erstens klingt er wie bisexuell oder heterosexuell und legt daher nahe, es ginge um romantische Präferenzen bzw. um die sexuelle Orientierung. Zweitens enthält er «-sexuell», was viele auf die Idee bringt, bei Trans ginge es in erster Linie darum, wie jemand seine Sexualität lebt. Drittens wurde der Begriff in einer Zeit geprägt, in der Trans als schwere Persönlichkeitsstörung bezeichnet wurde. Trans Menschen sind aber nicht per se krank. Dieser Auffassung wird mittlerweile auch von Expert_innen vertreten. Auch die WHO wird den Begriff in der nächsten Auflage ihres Diagnosekatalogs nicht mehr verwenden.

Alternative:
Trans Personen, Trans Menschen (mitunter auch: trans, transidente oder transgeschlechtliche Menschen)

5 – «Leben in ihrem Wunschgeschlecht»

Trans Menschen können sich ihr Geschlecht genauso wenig wünschen oder aussuchen wie alle anderen.

Alternative:
«Mein Chef lebt nun seit einigen Jahren entsprechend seiner Geschlechtsidentität».

6 – Geburtsgeschlecht

«Geburtsgeschlecht» klingt danach, als wäre es das Geschlecht, mit dem eine Person geboren wird. Wenn es ein Geburtsgeschlecht gibt und eine Person später aber in einem anderen Geschlecht lebt, dann hat sie im Laufe ihres Lebens nach dieser Auffassung zwei verschiedene Geschlechter. Das würden die wenigsten trans Menschen so unterschreiben. Die meisten sehen es so, dass sie das Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, nie für sich passend fanden. Es dennoch als «Geburtsgeschlecht» zu bezeichnen, ignoriert also die Geschlechtsidentität.

Alternative:
«das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht»


Angemessene Bezeichnungen verwenden

In einer kurzen Übersicht finden Sie hier Begriffe, die nicht angebracht sind, mit jeweils verschiedenen positiven Alternativen dazu.

Angemessene Bezeichnungen Zu vermeidende Begriffe
trans Mensch, Transgender, trans Mann, trans Frau, trans Person (bzw. Selbstbezeichnung der porträtierten Person: bitte nachfragen) Abwertend: Transe, Mann-Weib, ehemaliger Mann / ehemalige Frau, Tranny, Shemale. Andere Phänomene: Transvestit, Drittes Geschlecht.
cis Frau / cis Mann normaler Mann, richtiger Mann / normale Frau, richtige Frau
Geschlechtsangleichung bzw. -anpassung, körperliche Angleichung bzw. Anpassung Geschlechtsumwandlung, -änderung, Verwandlung, Mutation, umbauen, umoperieren
Genetisches Geburtsgeschlecht oder biologisches Geburtsgeschlecht, bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht Ursprüngliches Geschlecht
bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht Ursprüngliches Geschlecht, biologisches Geschlecht, eigentliches Geschlecht
Geschlechtsidentität Wunschgeschlecht, Gegengeschlecht, anderes Geschlecht, neues Geschlecht
geschlechtsneutrale Formulierungen: Kind, Teenager, Person, Mensch Mädchen, Tochter, Jugendliche u. ä. für einen trans Mann / Jungen; Sohn, Kollege u. ä. für eine trans Frau
wurde bei der Geburt als Mädchen eingeordnet, kam in einem Körper zur Welt, wie ihn üblicherweise Mädchen haben War ein Mädchen bzw. eine Frau, ehemalige Frau, ist biologisch eine Frau
Gewählter Vorname Alter Vorname

Einige Begriffe werden von manchen trans Menschen selbst verwendet, während sie von anderen komplett abgelehnt werden. So zum Beispiel «im falschen Körper», «transsexuell», «Mann-zu-Frau» bzw. «Frau-zu-Mann». Dies mag verwirren – aber orientieren Sie sich einfach an den Wünschen der jeweiligen Person.

Vermeiden Sie Ausdrücke, die pathologisierend wirken wie «Betroffene», «Patienten» oder «(Geschlechts-)Identitätsstörung». Nicht jede trans Person leidet; zeigen Sie auch die Sonnenseiten der Biografie.

Vermeiden Sie Darstellungen, in denen trans Menschen sehr dem Rollenklischee entsprechend gezeigt werden. Auch trans Frauen haben andere Interessen als Schminke und Kleider. Trans Menschen sind mehr als nur ihr Geschlecht.

Fazit

Sprachlich rund um Trans korrekt zu sein, ist im Grunde gar nicht so schwierig. Begriffe, die nahelegen, trans Menschen wären «eigentlich» doch das Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, sind fehl am Platz. Sätze, die so klingen, als würden sich trans Menschen ihr Geschlecht aussuchen oder es wechseln, ebenfalls. (Es gibt natürlich auch trans Menschen mit wechselndem Geschlecht, aber das ist ein anderes Thema.)

Trans Menschen leben in der Regel unauffällig, so wie andere Menschen auch.