Tristan, 36, tätig im Betriebsunterhalt

Tristan ist ein 36-jähriger trans Mann. Die Geschichte seines Coming-out ist ein besonderer Erfolg, weil Tristan es im geschützten Rahmen, an einem Arbeitsplatz auf dem zweiten Arbeitsmarkt, erfolgreich gemeistert hat. Dazu hat sehr viel Mut gehört. Ausserdem hat Tristan sich Hilfe von TGNS geholt: “Ich hätte es nicht ohne eine Person von TGNS geschafft, die mich begleitet hat” sagt er heute.

Alles beginnt im Jahr 2018, als sich Tristan zunächst engeren Arbeitskolleg_innen anvertraut. Die Einrichtung, in der er arbeitet, beschäftigt Menschen mit verschieden Handicaps . Tristan arbeitet hier in der Unterhaltsreinigung und dem Betriebsunterhalt. Er nimmt an, dass seine Vorgesetzten bereits eine Vorahnung hatten. Zusammen mit seiner Vertrauensperson von TGNS öffnet er sich seinen Vorgesetzten anlässlich einer Sitzung im November. Er hat Angst und kämpft mit den Tränen, aber die Reaktionen sind durchweg positiv. Der Vorgesetzte seines Chefs lächelt ihn an und sagt, dass es ihn freut, dass sie diesen Weg mit Tristan gehen dürfen. Das ist dann auch Tristans schönster Coming-out-Moment.

Noch am selben Tag bekommt er neue Arbeitskleidung: Der alte Name ist weg und es wird auf sämtliche Kleidungsstücke “Tristan” aufgestickt. Mit den Arbeitskolleg_innen läuft es weiterhin gut, teilweise rutscht noch einzelnen Personen ein falsches Pronomen heraus, aber im Grossen und Ganzen sind alle sehr unterstützend. Von entfernteren Teamkolleg_innen kommen jedoch teilweise respektlose Fragen. Er kann solche Fragen aber gut abwehren und sein Chef erinnert ihn immer wieder daran, bei Schwierigkeiten jederzeit auf ihn zuzukommen. Doch eine Situation gibt es, die Tristan auch heute noch traurig macht: Er darf die Männertoilette erst benutzen, wenn er die geplante Hormontherapie begonnen hat. Einige Männer im Betrieb hatten sich beschwert.

Auch wenn diese Regelung Tristan nicht fair vorkommt, fühlt er sich sehr gut unterstützt. Was seine Arbeitsmotivation angeht, sagt Tristan, dass diese durch sein Coming-out relativ gleich geblieben sei. Er arbeitet unheimlich gerne im Betriebsunterhalt und weniger gerne in der Reinigung. Dieser Umstand hat sich auch dadurch nicht geändert, dass er heute mit dem richtigen Vornamen und Pronomen angesprochen wird. Er stellt fest, dass die Freude an der Arbeit wichtiger ist als die Tatsache, dass er heute out ist.

Anderen trans Menschen möchte Tristan mit auf den Weg geben, sich bei Bedarf Hilfe zu holen. Ausserdem hat Tristan selbst erlebt, dass die Angst, seine Arbeit bei einem Coming-out zu verlieren, unbegründet war. Enge Kolleg_innen vorab ins Boot zu holen, findet er eine gute Idee. Am schönsten an seinem Coming-out findet Tristan jedoch den Umstand, dass er die trans Community der Schweiz kennengelernt hat: “In der TGNS-Community fühlt man sich wie in einer Familie. Du wirst einfach so angenommen wie du bist. Jeder ist auf seine Art etwas Wertvolles und Tolles, egal ob mit oder ohne Behinderung.”

(Die Bilder dieser Story wurden freundlicherweise von Lucia Hunziker erstellt.)